
Srdan Valjarevic
Ein Winter in Belgrad
Aus dem Serbischen von Susanne Böhm
Deutsche Erstausgabe
Klappenbroschur: 210 Seiten
ISBN 978-3-944359-82-3
EUR 15,90
E-Book
ISBN 978-3-944359-62-2
EUR 12,99
Um 10:40 Uhr in der Topolska Ulica. Würde jemand die Augen schließen, könnte er den Flügelschlag einer Taube hören, und wenn die Taube weg ist, die Maschine aus der Tischlerwerkstatt. Würde irgendjemand dann herumschauen, um zu sehen, wo er sich befindet, würde er einen verbeulten Eimer voller Abfall sehen. Wirklich jeder kann dasselbe spüren: Das Leben ist einmalig.
Dezember 1993 bis März 1994. In Serbien herrschen Isolation und Rezession infolge der Sanktionen gegen das Milosevic-Regime. „Ich habe damals hauptsächlich Maisbrei und Sauerkraut gegessen“, sagt Srdan Valjarevic. „Im Januar fühlte ich mich ausgezeichnet. Im Februar bekam ich allmählich Magenschmerzen. Aber an sich hatte ich keine größeren Probleme.“
Einen Winter lang streift er durch seine Stadt, hält jeden Tag drei Beobachtungen fest: Assoziationen, Bilder, Alltagsgeschichten. Er lässt auch andere Belgraderinnen und Belgrader zu Wort kommen – junge Menschen, die ihm ihre Geschichte erzählen und sechs „Ehrengäste“: serbische Wissenschaftlerinnen und Künstler, die uns und dem Autor je einen privaten Vortrag schenken.
Rezensionen
Formalitäten interessieren den Rezensenten normalerweise nicht im Geringsten. In diesem Fall aber scheint ihm die Erwähnung des Buchumschlags eine Erwähnung wert, hat er doch einen solchen noch nicht gesehen. Jedenfalls keinen, der so gut zum Inhalt passt. So, als ob jene Faltung, die das Buch umschließt, es festzuhalten oder gar warmzuhalten versucht.
Die Geschichte, die eigentlich gar keine ist, muss in vier Monaten erzählt sein, so viel steht fest. Ebenso festgelegt ist die Struktur des Inhalts, wobei es dem Autor trotzdem gelingt, dieses Werk von dem Korsett einer klaren Linie zu befreien, was sich wie ein Widerspruch anhört. Es ist berauschend, wie es Srđan Valjarević schafft, das scheinbar Banale aus den Fesseln der Bedeutungslosigkeit zu befreien.
Thomas Lawall, querblatt
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